Kunsthalle Bielefeld: Ausstellungshaus von internationalem Ruf

Eröffnung vor 40 Jahren / Auch Yoko Ono liebt das „schönste Museumsgebäude Europas“

(15.09.2008) Mit ihrer Würfelform und der Fassade aus rotem Sandstein ist sie eines der markantesten Gebäude der Stadt und der bedeutendste deutsche Museumsneubau ihrer Zeit: die Kunsthalle Bielefeld. Vor 40 Jahren, am 27. September 1968, wurde das von dem amerikanischen Architekten Philip Johnson entworfene Ausstellungshaus eröffnet – es ist der einzige Museumsbau Johnsons in Europa. Zu ihrem Geburtstag bekommt die Kunsthalle Bielefeld ein ganz besonderes Geschenk: einen neuen Skulpturenpark nach den Original-Plänen ihres Architekten.

Gestiftet wurde die Kunsthalle von dem Bielefelder Unternehmer Rudolf August Oetker. Mit 10 Millionen D-Mark ermöglichte er den Bau eines Museums, das die städtische Kunstsammlung mit Meisterwerken des Expressionismus und Plastiken des Kubismus beherbergen sowie Wechselausstellungen ermöglichen sollte. Oetker selbst war es auch, der Philip Johnson, einen Schüler und langjährigen Mitarbeiter des weltweit renommierten Architekten Mies van der Rohe, mit dem Entwurf des Gebäudes beauftragte. In seinen Lebenserinnerungen schildert der erste Leiter der Kunsthalle, Joachim Wolfgang von Moltke, wie es zu dieser Wahl kam: „Wir sahen ein Buch durch, in dem alle Museumsbauten, die seit 1948 in Europa und Amerika verwirklicht worden waren, in guten Photographien reproduziert waren. Wir gingen ein Museum nach dem anderen durch, und als wir zu einem Museum in Utica im Staate New York kamen, sagte Herr Oetker: ‚Das ist doch ein interessanter und schöner Bau.‘ Der Architekt war Philip Johnson.“

„Schönstes Museumsgebäude Europas“
Von 1966 bis 1968 entstand das von Johnson geplante kubische Bauwerk am Rande der Bielefelder Altstadt auf einem quadratischen Grundriss von 30 mal 30 Metern. Der rote Mainsandstein, der die Außenflächen bekleidet, bildet auch im Inneren das Material für die Wände. Die damals sehr avantgardistische Architektur Johnsons ist von zeitloser Schönheit. „Während einige modernere Museen, die sich an der Idee des White Cube orientieren, heute ziemlich alt aussehen, hat die Architektur Philip Johnsons sich bestens bewährt. Das Gebäude ist wohnlich, ohne gemütlich zu sein, flexibel, ohne beliebig zu sein. Für mich ist es nach zwölf Jahren Amtszeit als Direktor immer noch das schönste Museumsgebäude Europas“, sagt Thomas Kellein, seit 1996 nach von Moltke (1962-1974) und Ulrich Weisner (1974-1994) der dritte Leiter in der Geschichte der Bielefelder Kunsthalle.

Mit einer Ausstellung von Werken deutscher Expressionisten wurde das neue Museum vor vier Jahrzehnten eröffnet. Die Geburtsstunde stand zunächst unter keinem guten Stern. Auf Wunsch des Stifters Rudolf August Oetker sollte die Kunsthalle nach seinem von ihm sehr verehrten Stiefvater Richard-Kaselowsky-Haus genannt werden. Doch Kaselowsky, der am 30. September 1944 bei einem schweren Luftangriff auf Bielefeld ums Leben kam, war wegen seiner NS-Vergangenheit umstritten. Dies führte zu einer Debatte, die in Bielefeld schnell zu einem beherrschenden Thema der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen im Jahr 1968 wurde. Mit erheblichen Folgen: Statt der geplanten Feier mit 1.200 geladenen Gästen fand lediglich eine Eröffnung im kleinen Kreis statt, die von Protestdemonstrationen begleitet wurde. Bis Ende der 1990er Jahre trug das Museum den Namen „Richard-Kaselowsky-Haus, Kunsthalle Bielefeld“. Dann flammte die Diskussion um den umstrittenen Namensgeber erneut auf, bis der Stadtrat eine Umbenennung in „Kunsthalle Bielefeld“ beschloss.

Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts
Auf einer Ausstellungsfläche von 1.200 Quadratmetern auf drei Etagen widmet sich die Kunsthalle Bielefeld heute der deutschen und internationalen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Ihre Sammlung umfasst Werke von Pablo Picasso, Sonia und Robert Delaunay, Max Beckmann, Man Ray, Malern der „Brücke“ und des „Blauen Reiters“ sowie der konstruktivistischen Strömung der 1920er Jahre mit László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer.

Amerikanische und deutsche Kunst der 70er und 80er Jahre gehören ebenso zum Bestand wie Arbeiten von George Condo, Jonathan Meese und Hiroshi Sugimoto, die bedeutende Positionen der internationalen Kunst des 21. Jahrhunderts präsentieren. Skulpturen namhafter Künstler sind im Außenbereich zu sehen. Dazu gehören Auguste Rodins berühmter „Denker“, die große Stahlplastik „Axis“ von Richard Serra, Henry Moores „Oval with points“ und der Spiral-Pavillon von Olafur Eliasson, der im Sommer 2008 mit vier künstlichen Wasserfällen unter den Brücken New Yorks für Aufsehen sorgte.

Vier große Wechselausstellungen realisiert die Bielefelder Kunsthalle pro Jahr. Dabei zählen die Expressionismus-Ausstellungen mit zwischen 40.000 und 45.000 Besuchern stets zu den Publikumsrennern. Die bislang bestbesuchte Schau in der Geschichte des Museums, das international einen ausgezeichneten Ruf genießt, war im Frühjahr 2008 „Emil Nolde. Begegnung mit dem Nordischen“ mit rund 75.000 Besuchern, gefolgt von „Picassos Surrealismus“ (1991) mit 67.000 und „Caspar David Friedrich“ (1998) mit 50.000 Besuchern.

Entwurf Johnsons wird nach 40 Jahren realisiert
Ursprünglich hatte Philip Johnson für die Kunsthalle Bielefeld auch einen Skulpturenpark geplant, der einen Kontrast zu seinem würfelförmigen Gebäude darstellen sollte. Der Entwurf beinhaltete ein elegantes 7,20 Meter breites und 52,20 Meter langes Wasserbecken mit einem Steg. Schmale, leicht geschwungene Wege sollten durch die an das Museum angrenzenden Parkanlagen führen und Ausblicke auf die Skulpturen und die Architektur der Kunsthalle bieten.

Johnsons Ideen wurden nicht realisiert, da die Stadt Bielefeld 1968 die Gestaltung des Parks in Eigenregie übernahm. 40 Jahre später werden die Vorstellungen des 2005 im Alter von 98 Jahren verstorbenen Architekten umgesetzt. Pünktlich zum 40. Geburtstag der Kunsthalle Bielefeld, am 27. September 2008, wird der neue Skulpturenpark eingeweiht. (5.855 Zeichen mit Leerzeichen)

Kontakt:
Kunsthalle Bielefeld
Christiane Heuwinkel
Artur-Ladebeck-Straße 5
33602 Bielefeld
Telefon: 0521-329 99 50-17
Telefax: 0521-329 99 50-50
E-Mail: Externer Link heuwinkel@kunsthalle-bielefeld.de
Externer Link www.kunsthalle-bielefeld.de


Auguste Rodins berühmte „Denker“-Skulptur begrüßt den Besucher am Eingang der Kunsthalle Bielefeld.

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Bild: Philipp Ottendoerfer

Seit 1996 leitet Thomas Kellein die Kunsthalle Bielefeld. Für den Direktor mit besten internationalen Kontakten ist das von Philip Johnson entworfene Haus das schönste Museumsgebäude Europas.

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Bild: Martin Brockhoff

Yoko Ono im Skulpturenpark der Bielefelder Kunsthalle: Im vergangenen Jahr war die Konzeptkünstlerin erstmals in Bielefeld zu Gast. Bis zum 16. November 2008 zeigt die Kunsthalle eine international beachtete Ausstellung ihrer Werke.

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Bild: juergen rehrmann ©