Sie kommen aus China, Indien oder Bangladesch und haben oft eine Reise von mehr als 19.000 Kilometern hinter sich. T-Shirts, Hemden oder Hosen – rund 90 Prozent aller in Deutschland erhältlichen Textilien werden im Ausland gefertigt. „Die Umstände, unter denen die Kleidung hergestellt wird, sind oft erschreckend“, erzählt Pip Cozens, Mitbegründer von ART at WORK. „Kinderarbeit, Lohndumping und Umweltverschmutzung durch den Einsatz von Pestiziden gehören in der Textilindustrie zur Tagesordnung.“
Zusammen mit seiner Kollegin Annabelle Mayntz initiierte der gebürtige Engländer deshalb 2005 in Bielefeld das interaktive Schulprojekt „BRANDNEU! Wenn Kleidung schmerzt“. „Es geht uns nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger die Umstände anzuprangern und zum Kaufboykott aufzurufen – damit ist schließlich keinem geholfen“, sagt Annabelle Mayntz. „Wir wollen Entscheidungshilfen für den Einkauf geben und die Menschen dazu bringen, sich für verbesserte Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter einzusetzen.“
Interaktive Workshops ergänzen Unterricht
Gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen bietet ART at WORK den Schulen in Nordrhein-Westfalen Workshops zum Thema an. Einen ganzen Tag lang werden die Schülerinnen und Schüler mit den Schattenseiten der Textilherstellung konfrontiert. In einer aufblasbaren „Weltmarktfabrik“ lernen die Kinder den Alltag eines Arbeiters und die Herstellungskette von Textilien kennen. „Sie müssen nähen und bekommen dafür ‚Pengs’ – unser selbstgemachtes Geld. Damit müssen sie dann ihren Lebensunterhalt bestreiten.“
Wie es ist, nach einem harten Arbeitstag noch einen langen Fußmarsch nach Hause vor sich zu haben, und dass Wasser oft mehr kostet als Essen, sind nur einige der Erfahrungen, die die Kinder an diesem Tag machen. „Schulen können unser Projekt für 100 Euro pro Tag buchen. Unterrichtsausfall müssen sie nicht befürchten. Unsere Workshops sind so konzipiert, dass sie den Unterricht adäquat ersetzen“, sagt Annabelle Mayntz. Gruppenarbeiten zu den Themen Wasser, Pestizide und Kinderarbeit gehören ebenso zu dem Projekt wie eine Straßenaktion, bei der die Kinder ihr Wissen an Passanten weitergeben. „Selbsterfahrung heißt das Zauberwort. Nur so lernen Kinder, Verständnis zu entwickeln und ihr Kaufverhalten zu hinterfragen“, ist Pip Cozens überzeugt.
Unterstützung erfährt ART at WORK insbesondere durch die Nordrhein-Westfälische Stiftung für Umwelt und Entwicklung. „Wir arbeiten seit einigen Jahren mit ART at WORK zusammen. Die Nachhaltigkeit der Projekte steht beispielhaft für die Arbeit unserer Stiftung“, lobt die Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung, Monika Grosche, die Arbeit der Künstlerinitiative. Auch sei sie immer wieder von dem freiwilligen Engagement begeistert. „In Bielefeld ist ein unglaublich großes Potenzial an ehrenamtlichem Einsatz vorhanden. Das erlebt man selten.“
Konfrontation mit brisanten Themen
Entstanden ist ART at WORK aus den Aktivitäten des Bielefelder Gastateliers Artists Unlimited e. V. „Ich war der erste Gastkünstler, den Artists Unlimited zu sich einlud. Die Dynamik und Hartnäckigkeit der Ostwestfalen hat mich spontan begeistert, und so blieb ich hier“, erzählt der 44-jährige Cozens. Zusammen mit der australischen Gastkünstlerin Janis Somerville gründete er ART at WORK im Jahr 1997. Nachdem Somerville 2004 verstorben war, führte die Bielefelderin Annabelle Mayntz die Arbeit der Australierin fort.
Seit ihrer Gründung hat die Initiative über 40 Projekte initiiert. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die Themen Umweltschutz und Menschenrechte. Mit einfachen visuellen Elementen und direkter persönlicher Ansprache konfrontiert ART at WORK die Öffentlichkeit mit brisanten Themen wie Grünflächenvernichtung, Gewalt gegen Kinder oder Ausländerfeindlichkeit.
Obwohl Pip Cozens und Annabelle Mayntz die Aktivitäten von ART at WORK deutschlandweit betreuen und auch im Ausland tätig sind, schätzen sie den Standort Bielefeld. „Wenn hier ein Projekt angenommen wird, dann wird es überall angenommen. Die Ostwestfalen sind schwer zu knacken. Bielefeld ist daher die beste Teststrecke für uns“, sind sich die beiden einig. (4.949 Zeichen mit Leerzeichen)
Kontakt:
ART at WORK
Annabelle Mayntz, Pip Cozens
Artists Unlimited e. V.
August-Bebel-Straße 94
33602 Bielefeld
Telefon: 05 21-6 59 64
Telefax: 05 21-7 70 76 20
E-Mail:
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Schülerinnen und Schüler aus NRW lernen in der Weltmarktfabrik der Bielefelder Künstlerinitiative ART at WORK für einen Tag den Alltag eines Textilarbeiters aus China, Indien oder Bangladesch kennen. jpg, 1775 KB 1600x1200 Pixel 300 dpi Bild: ART at WORK |
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Werben mit dem interaktiven Schulprojekt „BRANDNEU! Wenn Kleidung schmerzt“ für einen bewussteren Umgang mit Textilien (v. l.): Annabelle Mayntz, Mitarbeiterin Ricarda Fuchs und Pip Cozens. jpg, 4147 KB 3872x2593 Pixel 300 dpi Bild: Sandra Sanchez |
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Die Bielefelderin Annabelle Mayntz und der Engländer Pip Cozens initiieren weltweit Projekte, die sich mit den Themen Umweltschutz und Menschenrechte auseinandersetzen. jpg, 1802 KB 2126x1890 Pixel 300 dpi Bild: Hendrike Hannemann |



