Nährboden einer Wachstumsbranche

20-Millionen-Neubau am „Centrum für Biotechnologie“/Koordination bundesweiter Netzwerkforschung/Start-ups im Technologiezentrum Bielefeld

(07.09.2006) Die Biotechnologie festigt ihren Ruf als innovative Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts: Nach Jahren der Konsolidierung blickt die Branche durch Produktinnovationen und Fusionen optimistisch in die Zukunft. Deutschland gilt als zweitstärkster Bio-Tech-Standort Europas, eines der Zentren liegt in der Region Ostwestfalen-Lippe. In einem agilen, mittelständisch geprägten wirtschaftlichen Umfeld und einer hochkarätig besetzten Wissenschaftslandschaft haben sich rund um Bielefeld etwa 20 Unternehmen mit 500 Beschäftigten etabliert.

Sieben Millionen für Netzwerkforschung
Der für viele andere Bio-Tech-Regionen problematische Fachkräftemangel spielt in Ostwestfalen keine Rolle. 1998 wurde an der Universität Bielefeld das Centrum für Biotechnologie, kurz „CeBiTec“ gegründet, das die Aktivitäten der drei Institute für Bioinformatik, Genomforschung und Nanotechnologien bündelt und zuverlässig qualifizierten Nachwuchs hervorbringt. Die Arbeitsbedingungen sind ab 2007 glänzender denn je. Im größten Bauprojekt seit Fertigstellung des Hauptgebäudes im Jahr 1968 realisiert die Universität Bielefeld derzeit den Neubau eines hochmodernen, über 20 Millionen Euro teuren Laborgebäudes.

Ein neuer Forschungsauftrag beschäftigt die Bielefelder bereits seit Juli 2006: In einem bundesweiten Netzwerk zur Genomforschung an biotechnologisch genutzten Bakterien koordiniert die Universität 26 Forschungsgruppen aus Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen. Die Leitung hat der Bielefelder Genomforscher Prof. Dr. Alfred Pühler.

„Zwischen den Studierenden und den hier ansässigen Bio-Tech-Unternehmen besteht ein reger Austausch. Die jungen Leute erfahren hautnah, welcher Wind außerhalb der Hochschule weht und wir selbst haben Zugang zu neuestem Know-how“, freut sich Dr. Martin Schleef, Geschäftsführer der Plasmid Factory GmbH & Co. KG. Das Bielefelder Unternehmen, das für Kunden in aller Welt so genannte Plasmid DNA produziert, verlieh im Rahmen der „Science Fair 2005“ in der Universität Bielefeld erstmals den „PlasmidFactory-Nachwuchspreis“ für innovative Studien in der DNA-Forschung. Schleef: „Ostwestfalen sind bodenständig. Erfahrungsgemäß stehen die Chancen gut, dass der exzellent ausgebildete Nachwuchs hier auch seine berufliche Zukunft sieht.“

Existenzgründung im Technologiezentrum
Zu den zahlreichen Start-up-Unternehmen, die in der Vergangenheit rund um die Universität entstanden, zählt die innovatis AG, die mit ihrem Produkt Cedex ein System zur automatisierten Analyse von Zellproben entwickelt hat. Die neue Cedex-Generation, genannt Cedex Hires, ist nach Unternehmensangaben einzigartig in der Zellkulturanalyse. Sitz des innovatis-Headquarters ist das Technologiezentrum, das seit 1995 von der WEGE Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld betrieben wird. „Das Zentrum bot uns bei der Gründung beste räumliche Voraussetzungen“, erinnert sich Firmengründer Prof. Dr. Frank Gudermann. „Allein die Grundausstattung eines biotechnologischen Labors kostet 200.000 Euro. Das können sich anfangs die wenigsten leisten.“

Zehn Jahre später hat der innovatis-Gründer zusätzlich eine Professur im Fachbereich Mathematik und Technik der Fachhochschule Bielefeld. Für das Wintersemester 2006/2007 plant und koordiniert er ein bundesweit einzigartiges Studienangebot, das eine Lücke auf dem Arbeitsmarkt schließen soll.

Einzigartig: Apparative Biotechnologie
„Der Bachelor-Studiengang Apparative Biotechnologie am Fachbereich Mathematik und Technik wurde in Gesprächen mit regionalen Arbeitgebern und den benachbarten Hochschulen entwickelt“, erklärt Gudermann. „Wir haben ein Studienangebot geschaffen, das sich konsequent an den Marktbedürfnissen orientiert und sich in die bestehende Ausbildungslandschaft integriert. Wir wollen keine Konkurrenz zu anderen Angeboten, sondern Kooperation.“ Eine enge Zusammenarbeit wird mit dem Studiengang Produktentwicklung angestrebt, biotechnologische Labore werden gemeinsam mit der Universität Bielefeld genutzt. Die neuen FH-Studierenden erlernen Messprinzipien und den Umgang mit etablierten Analysegeräten. Ziel ist es, Absolventen auszubilden, die in der Lage sind, existierende Geräte den Anforderungen moderner Produktionsprozesse anzupassen oder neue Analysesysteme zu entwickeln.

Innovationspotenzial sichtbar machen
„Unternehmen müssen Biotechnologie noch viel mehr als Wettbewerbsvorteil begreifen“, wünscht sich Dr. Martin Schleef. Er nennt zwei Beispiele: Eine Textilfaser, in die Gene eingemischt werden, ist absolut fälschungssicher. Gleiches gilt für die gen-basierte Versiegelung hochwertiger Produkte im Flugzeugbau. Auch deshalb passe die Biotechnologie ausgesprochen gut zum Profil der Region. „Es gibt viele Berührungspunkte zur traditionell starken Branche Maschinenbau.“

Effektives Informations- und Netzwerkmanagement betreibt seit 2002 Bio-Tech-Region Ostwestfalen-Lippe e. V. Der Bielefelder Verein stößt Kooperationen an und macht das Innovationspotenzial der Biotechnologie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. „Als Interessenvertretung engagieren wir uns mit Erfolg in landes- und bundesweiten Arbeitskreisen“, berichtet Diplom-Biologin Erika Sahrhage. „Die Region Ostwestfalen-Lippe genießt bundesweites Ansehen, etwa als eine von fünf so genannten BioRegionen NRW.“ PlasmidFactory-Geschäftsführer Dr. Martin Schleef ist Vorstandsvorsitzender der ersten Stunde: „Bielefeld und Ostwestfalen sind ein idealer Standort für spezialisierte Nischenfirmen. Der vielfältige Branchenmix und die gut funktionierenden Netzwerke sind bester Nährboden für innovative Unternehmen.“(5.585 Zeichen mit Leerzeichen)

Kontakt:
Diplom-Biologin Erika Sahrhage
Geschäftsstelle
Bio-Tech-Region OstwestfalenLippe e. V.
Technologiezentrum Bielefeld
Meisenstraße 96
33607 Bielefeld
Telefon: 0521-29 97-470
Telefax: 05 21-29 97-101
E-Mail: Externer Link info@bio-owl.de
Externer Link www.bio-owl.de

Dr. Martin Schleef
Geschäftsführer
PlasmidFactory GmbH & Co. KG
Meisenstraße 96
33607 Bielefeld
Telefon: 05 21-29 97-350
Telefax: 05 21-29 97-355
E-Mail:Externer Link Martin.Schleef@PlasmidFactory.com
Externer Link www.PlasmidFactory.com

Prof. Dr. Frank Gudermann
innovatis AG
Meisenstraße 96
33607 Bielefeld
Telefon: 05 21-29 97-300
Telefax: 05 21-29 97-285
E-Mail:Externer Link frank.gudermann@innovatis.com
Externer Link www.innovatis.com



Netzwerkmanagement im Technologiezentrum Bielefeld: Diplom-Biologin Erika Sahrhage, Geschäftsstelle Bio-Tech-Region OstwestfalenLippe e. V., mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Martin Schleef, Geschäftsführer PlasmidFactory GmbH & Co. KG.

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Bild: Sandra Sanchez

Mit Cedex hat die Bielefelder innovatis AG ein Produkt zur automatisierten Analyse von Zellproben entwickelt. Für das Wintersemester 2006/2007 plant und koordiniert Gründer Prof. Dr. Frank Gudermann das bundesweit einzigartige Studienangebot „Apparative Biotechnologie“ an der Fachhochschule Bielefeld.

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Bild: Sandra Sanchez