Heute ist das Gelände rund um die Ravensberger Spinnerei einer der beliebtesten Treffpunkte für Kulturliebhaber aus Ostwestfalen-Lippe. „Der Ravensberger Park ist ein Aushängeschild für Bielefeld und ein Vorzeigeobjekt, wenn es um die sinnvolle Nutzung ehemaliger Industrieareale geht“, betont Hans-Rudolf Holtkamp, Geschäftsführer der Bielefeld Marketing GmbH. „Wir müssen den Vergleich mit Industriedenkmälern wie der Zeche Zollverein in Essen oder dem Landschaftspark Duisburg-Nord keinesfalls scheuen.“ Ob „Carnival der Kulturen“ oder das Kinderkulturfest „Wackelpeter“: Im Ravensberger Park finden zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen, Konzerte, Theater- und Freiluftkino-Abende statt. „Das 69.300 Quadratmeter große Areal ist von der Innenstadt aus gut zu Fuß zu erreichen.“
Zentrale Lage, außergewöhnliches Ambiente und modernste Ausstattung machen das Gebäudeensemble im Ravensberger Park auch für Messen, Tagungen, Workshops und Abendveranstaltungen interessant. „Insgesamt gibt es neun Veranstaltungs- und Vortragssäle für bis zu 750 Personen. Der Cateringpartner ist direkt im Haus“, so Gabriela Lamm vom Kongressbüro der Bielefeld Marketing GmbH. Das Schätzchen unter den Räumlichkeiten ist das „Gässchen“. Es verbindet die zwei Gebäudeteile des Historischen Museums miteinander und schafft mit einer Mischung aus Glas, Miniatur-Kopfsteinpflaster und historischen Mauerzügen ein außergewöhnliches, industriegeschichtliches Ambiente.
Auf den Spuren der Vergangenheit
Spuren der industriellen Nutzung findet der aufmerksame Besucher überall. So verlaufen im Park über eine kleine Brücke die Schienen der einstigen Lorenbahn. Im hinteren Bereich war 1768 die Holländische Bleiche angelegt worden, der vordere Bereich war als Meinderscher Garten bekannt. Hier nahm 1857 die Ravensberger Spinnerei die Arbeit auf, in der bis zu 20.000 Spindeln liefen. Das „Fabrikschloss“ war ein demonstratives Symbol für den Aufbruch Bielefelds in das Industriezeitalter. Im Jahr 1870 liefen etwa 11 Prozent aller Spindeln und Webstühle Deutschlands in Bielefeld. Das Hauptgebäude mit dem charakteristischen Schornstein beherbergt seit 1986 unter anderem die Bielefelder Volkshochschule. Vor dem imposanten Bau mit Sandsteinfassade liegt der Rochdale Park. Er wurde 1978 zur Erinnerung an das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit der englischen Stadt Rochdale im Stil englischer Landschaftsgärten nach Originalplänen von 1894 angelegt. Die Teiche vor dem Haupteingang dienten ursprünglich als Wasserreservoir für das Kühlwasser der Dampfmaschinen.
Europa Nostra- und Denkmalpflegepreis
Die Sanierungs- und Umbauarbeiten stellten Architekt Peter Obbelode Ende der 70er Jahre vor zahlreiche Herausforderungen. Es galt für technische, bau- und ordnungsrechtliche Probleme Lösungen zu finden, von denen heute noch viele Modellcharakter haben. „Der Ravensberger Park in Bielefeld war das erste große Umnutzungsprojekt in Deutschland“, so Hans-Rudolf Holtkamp. Vom brachliegenden Industrieareal zum stadtbildprägenden Kulturzentrum – für dieses mustergültige Beispiel erhielt Peter Obbelode im Januar 1989 in London den Europa Nostra-Preis: Von über 400 eingereichten Projekten wurden sieben ausgewählt, darunter die Ravensberger Spinnerei in Bielefeld. Im November 1986 wurde das „Fabrikschloss“ zudem mit dem Europäischen Denkmalpflegepreis ausgezeichnet.
Geschichte in den Sheddachhallen
Das Historische Museum in den Sheddachhallen der früheren Spinnerei zeigt Original-Maschinen aus den wichtigsten Bielefelder Industriezweigen, die berühmten Bielefelder Nähmaschinen und Fahrräder aus den Dürkoppwerken ebenso wie Zeugnisse der Arbeiterkultur und des Bürgertums. Vor 100 Jahren, am 3. Oktober 1906, wurde das „Städtische Museum Bielefeld“ eröffnet. Es bestand aus der stadtgeschichtlichen und der naturkundlichen Abteilung. Nach dem Krieg hatte die Sammlung ihr Gebäude verloren und wurde eingelagert. Doch erst 1964 fiel der Ratsbeschluss zur Gründung eines Historischen Museums, das nach einer bewegten Vorgeschichte 1994 in den Ravensberger Park zog. 1996 erhielt das Historische Museum den international renommierten „Dibner Award“ für „die weltweit beste Darstellung der Industrialisierung und ihrer Sozialgeschichte“ sowie 1997 den Europäischen Museumspreis.
Direktorenvilla und Weiße Villa
Nur wenige Schritte entfernt präsentiert die Kunstgewerbesammlung Stiftung Huelsmann in der ehemaligen Direktorenvilla von 1865 Meisterwerke des europäischen Kunsthandwerks aus Renaissance, Barock und Klassizismus. Die prominente Privatsammlung des Kunsthändlerehepaares Huelsmann, die sich seit 1984 im Besitz der Stadt Bielefeld befindet, bildete den Grundstock der Ausstellung. Für die Gestaltung des schönen historischen Gartens der Direktorenvilla nach Originalplänen war die renommierte Landschaftsarchitektin Adelheid Gräfin Schönborn verantwortlich. Im Juni 2005 feierte das Museum Huelsmann sein zehnjähriges Bestehen und eröffnete mit der Ausstellung „Parfüm – Ästhetik und Verführung“ fünf neue Räume in der gegenüberliegenden Weißen Villa. Das Haus mit dem markanten Turm wurde um 1840 erbaut.
Lichtwerk und Hechelei
Neben der Ravensberger Spinnerei und dem umgebenen Park wird auch die benachbarte Diskothek „Hechelei“ in der Alten Hechelei für Kulturevents, Konzerte, Kabarett sowie Privat- und Firmenveranstaltungen genutzt. In der Alten Tischlerei befindet sich seit Januar 2006 das Programmkino „Lichtwerk“, das nach Meinung der Sanierer eines der schönsten Kinosäle Deutschlands bietet. Das Gebäude beherbergt drei Kinosäle mit insgesamt rund 280 Plätzen und hat ein großzügiges Foyer, das auch für programmergänzende Veranstaltungen genutzt wird. Damit sind knapp 34 Jahre nach der Rettung der Spinnerei die großen Sanierungsprojekte weitgehend abgeschlossen.(6.711 Zeichen mit Leerzeichen)
Kontakt:
Dr. Cornelia Foerster
Direktorin des Historischen Museums Bielefeld
Ravensberger Park 2
33607 Bielefeld
Telefon: 05 21-51 33 68
Telefax: 05 21-51 67 45
E-Mail:
Kongressbüro Bielefeld Marketing GmbH
Willy-Brandt-Platz 2
33602 Bielefeld
Telefon: 05 21-51 60 99
Telefax: 05 21-51 61 63
E-Mail:
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Die herrschaftliche Direktorenvilla, im hinteren Teil des Ravensberger Parks gelegen, beherbergt das Museum Huelsmann. Der Direktorengarten ist der einzige der auf dem Gelände angelegten Gärten, der in seiner alten Struktur fast vollständig erhalten geblieben ist. Er ist einem englischen Landschaftsgarten nachempfunden. jpg, 2250 KB 1440x2160 Pixel 300 dpi Bild: Hildegard Wiewelhove |
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Das Hauptgebäude der Spinnerei besicht durch seine imposante Optik – ein „Fabrikschloss“, das den Betrachter durch seine verspielten Elemente wie Ecktürme und Zinnen ganz im Stil der „gothic revival“ beeindruckt. Der Tudorstil stellte die Macht und den Einfluss der Fabrikbesitzer zur Schau. jpg, 2712 KB 2346x1513 Pixel 300 dpi Bild: Bielefeld Marketing |
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Grüne Insel im Herzen der Stadt: Der Ravensberger Park lässt sich in vier Bereiche aufteilen. Der Rochdale Park (1) als vorgelagerter Ziergarten, der Direktorengarten (12), eine multifunktionale Veranstaltungsfläche (9) sowie ein eher naturbelassener Landschaftsgarten im Osten der Anlage. 1985 wurde das gesamte Areal unter Denkmalsschutz gestellt. Ravensberger Spinnerei (2), „Hechelei“ (4), Historisches Museum (6), Gässchen (7), „Lichtwerk“ (10), Stiftung Huelsmann (13). jpg, 1959 KB 3504x2479 Pixel 300 dpi Bild: Ravensber Park Veranst.-GmbH |



