Von der Schulbank an den Dreh-Set

Talentierte Tatort-Darstellerin aus Bielefeld dreht zur Zeit in Prag

(24.05.2004) Mit acht Jahren teilte sie ihrer Mutter aus tiefster Überzeugung mit, dass sie Schauspielerin werden will. Als Teenager spielte sie Szenen aus ihren liebsten TV-Soaps vor dem Spiegel nach und dachte: „Was die können, das kann ich auch.“ Mit 14 drehte sie in der Nähe von Prag ihren ersten Fernsehfilm. Heute, drei Jahre später, gehört die in Bielefeld lebende Paula Kalenberg zu den meistgefragten deutschen Jungschauspielerinnen. Derzeit steht sie erneut in Prag vor der Kamera: als Komtess Hella von Plessen in dem ZDF-Zweiteiler „Durch Liebe erlöst“ nach einem Roman von Hedwig Courths-Mahler.

„Wenn ich mir etwas fest vorgenommen habe, dann schaffe ich das auch, denn ich stehe voll und ganz dahinter“, sagt die zierliche, nur 1,58 Meter große 17-Jährige mit den ungewöhnlich ausdrucksstarken Gesichtszügen. Keine Sekunde, so erinnert sie sich, habe sie gezögert, als sie im Jahr 2001 von einem Casting-Aufruf im Radio erfuhr. „Ich habe sofort eine völlig laienhafte Bewerbung losgeschickt und bekam bald darauf einen Anruf von einer Künstleragentur“, sagt sie. Und wenig später das erste Rollenangebot: An der Seite von August Zirner und Hannes Jaenicke verkörperte Paula Kalenberg im Sommer 2001 das Mädchen Hanna in dem TV-Film „Hanna, wo bist du?“ „Es war zwar die Titelrolle, aber ich war die meiste Zeit gar nicht zu sehen, weil ich ja entführt worden war“, erzählt sie amüsiert.

Als Hanna wurde Paula Kalenberg tagelang von einem Psychopathen in einem Burgverlies gefangen gehalten. In der Kriminalromanverfilmung „Der Puppengräber“ quält sie ein Mädchenmörder. Und in der düsteren Kölner „Tatort“-Folge „Bermuda“, die im September 2003 ausgestrahlt wurde, ist sie eine Millionenerbin, die in einer Wohngruppe für schwer erziehbare Jugendliche lebt und der die beste Freundin nach dem Leben trachtet. Keine leichte Kost für eine junge Frau, die den Unterricht in der elften Klasse der Bielefelder Waldorf-Schule mit der Schauspielerei in Einklang bringen muss. „Ohne Distanz wären solch nervenaufreibende Rollen psychisch wohl nicht auszuhalten. Ich mache mir ein Bild von der Rolle. Dieses Bild steht gewissermaßen neben mir und ich schlüpfe hinein, wenn es notwendig ist“, beschreibt sie ihre künstlerische Herangehensweise und fügt nachdenklich hinzu: „Dennoch steckt selbstverständlich in jeder Rolle auch einiges von mir selbst.“

An Angeboten mangelt es der begabten Darstellerin, die noch niemals Schauspielunterricht genommen hat, nicht. „Inzwischen habe ich gemerkt, dass ich auch einmal ‚Nein’ sagen kann, ohne sofort als Diva abgestempelt zu werden“, sagt sie. Nach dem Abschluss der Dreharbeiten für den Kostümfilm „Durch Liebe erlöst“, in dem Paula Kalenberg übrigens ihre erste heitere Rolle spielt, will sie für zwei Jahre mit dem Filmen aussetzen und sich auf das Abitur vorbereiten. Was danach kommt? Da will sie sich nicht festlegen: „Heute ist heute, morgen ist morgen. Momentan macht mir die Schauspielerei großen Spaß, aber ich interessiere mich auch für andere Dinge, für Musik und Tanz, für Politik und soziale Themen.“ (3.063 Zeichen mit Leerzeichen)

Die 17-jährige Paula Kalenberg aus Bielefeld gehört zu den meistgefragten Jungschauspielerinnen Deutschlands.

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Bild: Susanne Freitag

In der Kölner „Tatort“-Folge „Bermuda“ war Paula Kalenberg (links, mit Marie-Luise Schramm) im September 2003 als Millionenerbin Winnie Sylvester zu sehen.

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