„luca“ haben sie ihre Kirche getauft. Das steht für „lebendig, unabgängig, christlich, anders“. Weil Jugendliche in dem roten Backsteinbau den Takt vorgeben, hat dieser nun einen fliederfarbenen Innenanstrich und ein noch bunteres Programm. Einmal im Monat feiern sie hier den Gottesdienst „unGLAUBlich“, dazwischen finden Theatervorführungen, Rockkonzerte, Lesungen oder Gesprächskreise statt. Es wird gekocht und gebastelt, auch Sportangebote und Feste fehlen nicht. Für luca gilt: Gemacht wird das, worauf Jugendliche Lust haben. Und: Die Erwachsenen sind hier eher Gäste.
Erfüllung eines Jugendtraums
Die Leitung des Projekts hat Bielefelds Jugendpfarrer übernommen. Thomas Wandersleb, geboren in Herne, kam vor 19 Jahren aus Bochum an den Teutoburger Wald und hatte einen großen Traum im Gepäck: „Ich habe mir schon immer einen von Jugendlichen selbst verantworteten Kirchenraum gewünscht.“ Vor 35 Jahren hieß das zwar noch nicht Jugendkirche, bedeutete aber genau dies: „Jugendkirchen laden junge Menschen ein, ihre Frömmigkeit und Religiosität zu leben und Beziehungen zu Gott und zu Gleichaltrigen auszuprobieren. Die christliche Tradition ist ein Angebot. Vielleicht merkt jemand: Das ist etwas für mich. Dann trägt sie oder er das Erlebte nach Hause oder weiter in die Gemeinden.“ Diese werden durch eine Jugendkirche keineswegs überflüssig. Darauf legt Thomas Wandersleb Wert.
In Bielefeld erfüllte sich der Traum des heute 55-Jährigen durch eine Kirchenschließung. Wegen sinkender Mitgliederzahlen und Einnahmen konnte die evangelisch-lutherische Lydia-Gemeinde nicht länger zwei Gotteshäuser unterhalten. Plötzlich war mit dem 1. September 2008 ein Gebäude da, das als Kirche für alle Jugendlichen des Kirchenkreises weitergenutzt werden konnte: „Da hat sich wieder einmal gezeigt, dass in jeder Krise auch ein Chance liegt.“
Angebot mit evangelischem Profil
Die Evangelische Jugend Bielefeld ist spezialisiert auf die Schaffung attraktiver und vielseitiger Freizeit- und Bildungsangebote. Organisiert in den elf Nachbarschaften der 30 städtischen Kirchengemeinden und im „Trägerverein der Evangelischen Offenen und Mobilen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e. V.“, betreut sie neben Kinder- und Jugendeinrichtungen in ganz Bielefeld einen Abenteuerspielplatz, eine Skateranlage und viele Jugendtreffs. Die Evangelische Jugend ist als Träger an mehreren Offenen Ganztagsgrundschulen aktiv und leistet Nachmittagsbetreuung an Gymnasien.
Das Jugendpfarramt ist die organisatorische Zentrale und die Servicestelle. Ihr Leiter Thomas Wandersleb sieht seine Aufgabe darin, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. 120 Hauptberufliche und 300 ehrenamtlich Engagierte geben Heranwachsenden Wegbegleitung und eine Perspektive.
Braunes Holzkreuz, rote Küche
Das neue Erscheinungsbild der Erlöserkirche entspricht dem, was junge Bielefelderinnen und Bielefelder in einem Workshop erarbeitet haben. Die große Kleuker-Orgel, in den Gedankenspielen des Jugendpfarrers beinahe schon verkauft, steht heute noch da, wo sie immer war. „Die Jugendlichen wollten keine Turnhalle, sondern einen Kirchenraum im ursprünglichen Sinne“, sagt Thomas Wandersleb. Aber einen besonderen. Der Bereich unter der Empore wurde zum Café, es gibt eine Bibliothek, einen Computer- und einen Ruheraum. Ein Sofa für den Freizeittreff wurde angeschafft und eine knallrote Küche. Licht- und Tontechnik können künftig auch für Konzerte genutzt werden.
Um einen Beitrag zur Finanzierung zu leisten, fuhren 16 junge Leute eine Woche lang mit einem Riesentandem quer durch Bielefeld. Sponsoren spendeten für jeden gefahrenen Kilometer 10 Cent und mehr. Der Kirchenkreis hat auf drei Jahre 80.000 Euro für Betriebs- und Personalkosten bewilligt. Superintendentin Regine Burg ist überzeugt, dass die Mittel exzellent angelegt sind: „Kinder- und Jugendarbeit sind ein Schwerpunkt unserer Arbeit.“
Besonders gefreut hat Thomas Wandersleb, wie viel Herzblut auch Erwachsene in das Projekt für die Jugend investiert haben. „Der Maler, der das alte Taufbecken wieder auf Hochglanz gebracht hat, erzählte mir, dass er als Baby seinen Kopf dort hineingehalten habe. Da schließt sich plötzlich der Kreis. Das ist wunderbar.“
„Kirche muss mehr Angebote machen!“
Eingeladen ist jede und jeder, egal welcher Konfession, Religion, Herkunft, Kultur oder Nationalität. luca führt einen „interreligiösen Dialog“ christlicher Prägung. Wenn jemand meint, überhaupt nicht glauben zu können, kann Thomas Wandersleb auch das akzeptieren. „Das verwundert mich nicht, weil sich Kirche heute sehr defensiv verhält. Wir warten, dass Jugendliche zu uns kommen und machen zu wenig Angebote. Wichtig wäre es, in die Schulen zu gehen. Kirche muss Themen ansprechen, die Jugendliche bewegen, etwa die Lehrstellensuche oder die Kriegsdienstverweigerung. Natürlich vermittelt luca die christliche Sicht. Aber ich stehe nicht mit der Bibel in der Hand hinter der Kirchentür.“
Die Bielefelder Jugendkirche ist zunächst auf drei Jahre befristet. Wie wird das Angebot angenommen? Welche Wege sind wir gemeinsam mit den Mädchen und Jungen gegangen? Das sind Aspekte, an denen Thomas Wandersleb 2012 den Erfolg von luca messen will. Um Bielefelds neuestes Kirchenprojekt in eine spannende Zukunft zu leiten, schickt der Vater eines sechzehnjährigen Sohnes Trendscouts durch die Stadt. „Die jungen Leute sollen erforschen, welche Veranstaltungen bei Heranwachsenden ankommen. Wir bezahlen ihnen die Eintrittskarten und fragen hinterher: Was war gut und was taugt nichts? Mit 55 Jahren bin ich zu alt, um so etwas zu bewerten. Dazu haben wir Erwachsenen junge Dolmetscher nötig.“ (6.183 Zeichen mit Leerzeichen)
Kontakt:
Thomas Wandersleb
Synodal-Jugendpfarrer
Evangelisches Jugendpfarramt Bielefeld
Haus der Kirche
Markgrafenstraße 7
33602 Bielefeld
Telefon: 0521-5837-202
Telefax: 0521-5837-281
E-Mail:
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Bielefelds Jugendpfarrer Thomas Wandersleb (M.) feiert die Eröffnung der Jugendkirche „luca“. Simone Osterhaus wird die Projektleitung von Hartmut Repple während dessen Elternzeit übernehmen. Im Hintergrund Mitglieder des Bielefelder Chors „Young Voices“. jpg, 5409 KB 3884x2752 Pixel 300 dpi Bild: Susanne Freitag |
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Chance in der Krise: Sinkende Mitgliederzahlen und Einnahmen zwangen die evangelisch-lutherische Lydia-Gemeinde in Bielefeld-Schildesche zur Aufgabe eines ihrer Gotteshäuser. Heute wird die Erlöserkirche von allen Jugendlichen des Kirchenkreises Bielefeld als Jugendkirche „luca“ genutzt. jpg, 1451 KB 1360x1056 Pixel 300 dpi |
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Jeder Jugendliche, egal welcher Konfession, Religion, Herkunft, Kultur oder Nationalität, ist in der Bielefelder Jugendkirche „luca“ willkommen. „Kirche muss Themen ansprechen, die junge Menschen bewegen, etwa die Lehrstellensuche oder die Kriegsdienstverweigerung“, fordert Jugendpfarrer Thomas Wandersleb. jpg, 1014 KB 1456x971 Pixel 300 dpi |



