Der Initiative vorausgegangen war eine städtische Untersuchung des Sozialdezernats zur Kinder- und Jugendarmut in Bielefeld. Laut Bielefelder Lebenslagenbericht lebt jedes vierte Kind unter 15 Jahren von sozialen Transferleistungen. Die Eltern dieser rund 11.000 Jungen und Mädchen können ihrem Nachwuchs die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder einen Kurs in der Musik- und Kunstschule häufig nicht bezahlen. Freizeitvergnügen wie Kino- oder Theaterbesuche werden zu Luxusveranstaltungen. Gegenüber materiell besser gestellten Familien reduziert sich die Chancengleichheit bei Bildung und sozialer Teilhabe, Talententfaltung wird zur Glückssache. Ohne Geld können Kinder kein Musikinstrument lernen, neue Fußballschuhe sind zu teuer.
Der Bielefelder Kinderfonds stemmt sich dieser Entwicklung mit einer besonderen Form der Unterstützung entgegen. Die Anmeldebedingungen sind denkbar einfach. Damit Hemmschwellen überwunden und möglichst viele Kinder erreicht werden können, benötigen Eltern nur den sogenannten Bielefeld-Pass. Väter und Mütter, die von Transferleistungen leben, können diesen Ausweis kostenlos bei der Stadt beantragen. Nach Vorlage des Dokuments bei einem der Kooperationspartner kann der Nachwuchs unkompliziert sofort am Kurs oder am Training teilnehmen. Anmeldeformalitäten und Finanzierung werden durch die Initiative und den Kooperationspartner intern geregelt.
Unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Bielefeld, Eberhard David, werden gegenwärtig Sport- und Freizeitangebote für rund 230 Kinder mit einem Startkapital von 75.000 Euro finanziert. Durch die Übernahme von Kursgebühren oder Vereinsbeiträgen können junge Menschen die zahlreichen Angebote der Kooperationspartner des Fonds nutzen. Zu diesen zählen neben der Musik- und Kunstschule die Bielefelder Volkshochschule, der Stadtsportbund mit seinen 220 Sportvereinen oder die BBF – Bielefelder Bäder und Freizeit GmbH.
Nach einem halben Jahr nahmen laut Marcus Stichmann, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Fonds, um die 80 Kinder an Veranstaltungen der Musik- und Kunstschule teil. Das Gros begeistert sich jedoch für die Sportangebote in den zahlreichen Bielefelder Vereinen, die mehr als 130 Sport- und Bewegungsaktivitäten in mehr als 5.000 Übungsgruppen anbieten. Zu den beliebtesten zählen Fußball, Handball, Ballett oder Kampfsportarten wie zum Beispiel Taekwondo. „40 Kinder machen Schwimmkurse“, freut sich Marcus Stichmann, der nicht nur den vergnüglichen Spaß im nassen Element vor Augen hat. Viele Kinder und Erwachsene können heute nicht mehr schwimmen. Einer der Hauptgründe ist der Preis für einen Schwimmbadbesuch, den sich immer weniger Familien leisten können.
Einen Anreiz für Eltern, ihre Kinder am Angebot teilnehmen zu lassen, stellen 500 Gutscheine im Wert von jeweils 100 Euro dar, die der Bielefelder Kinderfonds an Grundschulen zur Bewerbung seiner Aktion verteilt hat. Lehrerinnen und Lehrer sollen die Gutscheine ohne großen Aufwand an unterstützungsbedürftige Schülerinnen und Schüler aushändigen.
Der Kinderfonds wird von Bielefelder Unternehmen und den Medien gesponsert. „Der Gedanke, vor Ort helfen zu können, findet breite Zustimmung und fördert auch die Spendenbereitschaft in der Bielefelder Bevölkerung“, zieht Marcus Stichmann nach den ersten sechs Monaten engagierter Vereinsarbeit ein erstes Fazit: „Schon mit 50 Euro kann ein Kind ein Jahr lang im Verein Fußball spielen. Unmittelbar miterleben zu können, wie Gelder bei Projekten in der Nachbarschaft eingesetzt werden, ermuntert zum Spenden.“ Auf der Internetseite des Kinderfonds stehen mittlerweile viele schöne Geschichten, in denen Kinder erzählen, wie sehr ihnen die Förderung geholfen hat.
Hauptberuflich arbeitet Marcus Stichmann für die gemeinnützige Sozial-Aktien-Gesellschaft Bielefeld, ein Projekt der Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut, die den Bielefelder Kinderfonds in Verbindung mit dem Bielefeld-Pass initiiert hat. Die Stiftung mit Sitz in Bielefeld setzt sich mit ihren zahlreichen Projekten in Deutschland und im Ausland gegen Armut und Arbeitslosigkeit ein. Die Stiftung Solidarität wurde von Franz Schaible und engagierten Bielefelder Bürgerinnen und Bürgern gegründet und 1999 als rechtlich eigenständige Stiftung anerkannt. Seit 2008 können sich Zustifter und Zustifterinnen an der Stiftungsarbeit beteiligen.
Seit 1997 vergibt die Bielefelder Stiftung einen Preis für herausragendes und beispielhaftes Engagement im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Armut. Zum Gedenken und in Erinnerung an die erste Preisträgerin und spätere Schirmherrin der Stiftung trägt er seit 2002 den Namen „Regine-Hildebrandt-Preis für Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut“. Der mit bis zu 20.000 Euro dotierte „Oskar der Solidarität“ kommt ausschließlich gemeinnützigen Arbeitslosen- und Sozialhilfeprojekten zugute. 2009 ging der Preis an die Filmemacher Carsten Rau und Hauke Wendler von der Hamburger TV-Produktionsgesellschaft „Pier 53" für ihre Halbstunden-Reportage „Arm und alt – Wenn die Rente nicht reicht.".
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Kontakt:
Marcus Stichmann
Bielefelder Kinderfonds
Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut
Meisenstraße 65
33607 Bielefeld
Telefon: 0521-2996-178
Telefax: 0521-2996-103
E-Mail:
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Regine-Hildebrandt-Preis für Solidarität: Seit 1997 vergibt die Bielefelder Stiftung Solidarität die Auszeichnung. Ehemann Jörg Hildebrandt (r.) war dabei, als Franz Schaible (l.), Vorstandsvorsitzender der Bielefelder Stiftung, den Preis an die TV-Autoren Carsten Rau (2. v. l.) und Hauke Wendler überreichte. In der Bildmitte die Laudatorin Heide Simonis, die die Fernseh-Reportage „Arm und alt – Wenn die Rente nicht reicht“ als vorbildhaft würdigte. jpg, 4981 KB 3872x2592 Pixel 300 dpi Bild: Susanne Freitag |
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Arbeitet ehrenamtlich für den Bielefelder Kinderfonds: Marcus Stichmann macht die Erfahrung, dass sinnvolle Projekte in der eigenen Stadt die Spendenbereitschaft der Bielefelder Bevölkerung fördern. jpg, 4418 KB 2592x3872 Pixel 300 dpi Bild: Susanne Freitag |


