Bielefeld und die Ikonen der Fotografie: 25 Jahre Typen, Thesen und Talente

Jubiläums-Symposium der Fördergemeinschaft Fotografische Ausbildung e. V. in Bielefeld / 150 Schlüsselwerke der stilbildenden Berufsfotografie im Museum Huelsmann – Kunst + Design

(10.03.2008) Das Mädchen im Rollkragenpullover verwandelt sich in Frau Merkel im karierten Blazer. Drei Nonnen mit sinnlich-roten Lippen räkeln sich hinter einer eisverfrorenen Glasscheibe. Und die Fußballhelden Pele und Beckenbauer teilten in den Siebzigern nicht nur den Erfolg, sondern auch die Dusche. Fotomotive unterschiedlichster Genre haben sich ins kollektive Bildgedächtnis eingebrannt. Rund 150 Schlüsselwerke der letzten 25 Jahre sind vom 6. April bis zum 20. Juli 2008 in Bielefeld zu bewundern. Anlass der Ausstellung im Museum Huelsmann – Kunst + Design ist das 25. Symposium des Bielefelder Vereins Fördergemeinschaft Fotografische Ausbildung (FFA). Hier war jeder der namhaften Aussteller schon einmal zu Gast.

„Bielefeld ist einzigartig“, schwärmte bereits 2003 der Münchner Publizist Hans-Michael Koetzle. „Gäbe es Bielefeld nicht, man müsste es erfinden.“ Immer im Frühjahr wird das Neue Rathaus der Stadt zum Treffpunkt für Wissenschaftler, Journalisten, Publizisten, Medienschaffende und Fotografen aus dem In- und Ausland. Glanzlicht einer jeden Veranstaltung sind die fesselnden Referate von bis zu acht prominenten Gästen. Ob Herlinde Koelbl oder Charles Wilp, Volker Hinz, Horst Wackerbarth, Art Kane oder Will McBride – die Referentenliste der Bielefelder FFA liest sich wie das „Who is Who“ der stilbildenden Fotografie.

Orientierung für den Nachwuchs
„Die FFA ist das Ergebnis einer Männerfreundschaft“, blickt ihr 1. Vorsitzender Jürgen Volkmann auf die achtziger Jahre zurück. „Karl Martin Holzhäuser, seit 1975 Professor für Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld, und Peter A. Schindler, damals Obermeister der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld, waren sich einig, dass alle angehenden Profis noch mehr Orientierung brauchen. Und zwar nicht nur in einer zunehmend komplexen Fotowelt, sondern auch auf ihrem ganz persönlichen Ausbildungsweg.“ 1984 gründeten die beiden in Bielefeld die Fördergemeinschaft Fotografische Ausbildung. 25 Jahre später zählt der Verein nahezu 100 Mitglieder aus Berufsfotografie, Hochschule, Laboren, Agenturen und Industrie.

„Wir betreiben keine Nabelschau“, betont Jürgen Volkmann. „Unser Blick geht immer nach vorn.“ „Perspektiven der Fotoausbildung“ war das Thema der ersten FFA-Jahresveranstaltung 1984. Vier Jahre später ging es um das Verhältnis von „Fotograf und Auftraggeber“, 1990 fragte der Politiker Prof. Dr. Heiner Geißler nach den Chancen angehender Fotografen in Europa.

Treffen der Generationen
Am 5. und 6. April 2008 dreht sich im Neuen Rathaus in Bielefeld alles um das Thema „Essentials“: Dr. Enno Kaufhold, freier Fotohistoriker, Publizist, Kurator und Lehrender (FHTW und Ostkreuzschule), der Münchner „Digitalkünstler“ Andrej Barov, People-Fotograf Ben Oyne sowie die Hamburger Größen Hans-Jürgen Burkard (Reportage) und Uwe Düttmann (Werbefotografie) gehen der Frage nach dem Wesentlichen in der Fotografie nach. „Jeder der alten Hasen bringt einen von ihm geschätzten Nachwuchskünstler mit“, verspricht Jürgen Volkmann. „Ich bin gespannt, ob wir eine generationenübergreifende Antwort finden werden.“

Wie gelingt es, einen Michael Schirner oder eine Barbara Klemm nach Bielefeld zu holen? „In den frühen Jahren dürfte es das Prestige der Macher und ihre Überredungskunst gewesen sein“, meint Diplom-Designer Jürgen Volkmann. „Inzwischen ist das Renommee der Veranstaltung ausschlaggebend. Für nahezu jeden, den wir ansprechen, ist es eine große Motivation, sich in die Liste der prominenten Vortragenden einzureihen.“

„Best of Wäscheleine“
So sehr die Veranstaltung von der Kompetenz ihrer Referenten lebt, so groß ist der Stellenwert, den man der persönlichen Begegnung beimisst. In Bielefeld geht es um den Blick über den Tellerrand. Auszubildende und Studierende sind aufgerufen, sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und auch einmal die Mappe mit den eigenen Arbeiten herzuzeigen. Als exzellentes Instrument hat sich dabei die „Wäscheleine“ erwiesen. 80 Meter sind im Neuen Rathaus gespannt, damit gestandene Profis wie engagierte Nachwuchsfotografen ihre Arbeiten aufhängen können. Die zwei Meter Ausstellungsfläche pro Person sind im Nu vergeben. Schließlich nimmt jeder der angehenden Fotografen automatisch an dem Wettbewerb „Best of Wäscheleine“ teil. Und da winken nicht nur wertvolle Sachpreise, sondern auch ein klares Votum von Jury und Publikum. Namhafte Unternehmen der Fotobranche informieren in Bielefeld in Fachvorträgen und Workshops über den Stand professioneller Aufnahmetechnik.

Mit der Ausstellung im Museum Huelsmann – Kunst + Design feiert die FFA 25 Jahre Begleitung und Impulsgebung der Fotoszene. Gewidmet ist sie all jenen Vertretern der deutschen und internationalen Fotokunst, die halfen, das Renommee der Bielefelder Veranstaltung zu begründen. Rund 50 Referenten werden drei ihrer Arbeiten „zurück“ nach Bielefeld schicken. Die Themen reichen von Mode-, Porträt- und Reportagefotografie über Produkt- und Sachfotografie bis hin zu inszenierter und abstrakter Fotografie. „Wir haben Wert darauf gelegt, dass es sich um Arbeiten handelt, die aus der Zeit des Vortrags in Bielefeld stammen“, erklärt Jürgen Volkmann das Ausstellungskonzept. „Damit lässt sich die Entwicklung des Mediums Fotografie über die letzten 25 Jahre hervorragend nachvollziehen.“ Der umfangreiche Katalog entsteht gemeinsam mit Dr. Enno Kaufhold.

Weiße Villa zeigt Schlüsselwerke
Für die Öffentlichkeit ist die große Bildausstellung ab dem 6. April 2008 in der „Weißen Villa“ des Museums Huelsmann geöffnet. Das Gebäude im Stile Potsdamer Turmvillen der 1840er Jahre hat sich als Forum für modernes Kunsthandwerk und Design einen festen Platz in der ostwestfälischen Museumslandschaft erobert. Es ergänzt seit 2005 die auf die Epochen Renaissance, Barock und Klassizismus konzentrierte Sammlung in der benachbarten Direktorenvilla.

„Das Thema Fotografie genießt in Bielefeld einen besonderen Stellenwert“, sagt Direktorin Dr. Hildegard Wiewelhove und verweist auf das Bielefelder Symposium über Fotografie an der Fachhochschule oder den 2007 erstmals ausgeschriebenen „ZIFPhotoAward“. „Dem Fachpublikum ist das bewusst. Allen anderen werden wir über unsere Ausstellung zeigen, was Bielefeld in der Vergangenheit zu bieten hatte und für die Zukunft Spannendes verspricht.“ (6.254 Zeichen mit Leerzeichen)

Kontakt:
FFA
Fördergemeinschaft Fotografische Ausbildung e. V. Bielefeld
c/o Jürgen Volkmann
1. Vorsitzender
Promenade 7a
33604 Bielefeld
Telefon: 0521-6 50 04
Telefax: 0521-6 72 61
E-Mail: Externer Link dialog@volkmannfoto.de
Externer Link www.volkmannfoto.de
Externer Link www.ffa-ev.de


Museum Huelsmann. Kunst + Design:
Eine Schatzkammer in Bielefeld


Staunend wandelt der Besucher durch die vier Etagen der großbürgerlichen Villa. Klassisches europäisches Kunsthandwerk, angefangen von höfischem Tafelsilber, seltenem Porzellan und Schatzkunst bis hin zu Sonnenuhren und wissenschaftlichen Instrumenten machen das Museum Huelsmann – Kunst + Design in Bielefeld zu einem Lehrpfad durch die Stilepochen Renaissance, Barock und Klassizismus. Hochkarätige Sonderschauen wie „Die Darmstädter Silberkammer“ erweitern das thematische Angebot. Bis zum 17. August 2008 werden ausgewählte Schätze der Großherzoglich Hessischen Silberkammer erstmals außerhalb Hessens ausgestellt.

Das Museum fügt sich ein in die majestätische Architektur von Bielefelds eindrucksvollstem Industriedenkmal, der Ravensberger Spinnerei. Die einstige Direktorenvilla von 1865 beherbergt heute das großzügige Geschenk von Friedrich Karl August Huelsmann (1904-1979) und seiner Ehefrau Gertrud Agathe Elisabeth (1894-1983). Zu Lebzeiten Deutschlands größter Kunst- und Antiquitätenhändler mit Wohnsitz in Hamburg, bescherte der Stifter seiner Heimatstadt Bielefeld 1984 eine außergewöhnlich prachtvolle Kunstsammlung. Jahre zuvor waren der Stadt Bielefeld bereits umfangreiche Bestände aus der Privatsammlung der Schriftstellerin Hertha Koenig (1884-1976) zugefallen.

Museumsdirektorin Dr. Hildegard Wiewelhove ermuntert jeden Museumsbesucher, sich dem Zauber der rund 1.000 Objekte und Objektgruppen auf Nasenlänge zu nähern: „Mit einer Lupe in der Hand erschließt sich, wie durchdacht und funktional ein echter Kunsthandwerker konstruiert. Jegliche technische Finesse, jegliches Form- aber auch Ornamentdetail wirkt in sich stimmig und ausgereift. Und bei aller Verhaftung in der Tradition ist immer auch das Innovative spürbar.“

Die Aufgabe des Bielefelder Museums sieht Dr. Hildegard Wiewelhove in der Vermittlung zwischen Historie und Gegenwart: „Es geht darum, Brücken zu bauen von längst vergangenen Zeiten hin zur Gegenwart und damit nicht nur Unterschiede, sondern zum Teil sogar überraschende Gemeinsamkeiten zu entdecken.“

Neue Perspektiven eröffnet auch die benachbarte Weiße Villa. Der elegante Bau von 1840 ist ausdrücklich dem modernen Design gewidmet und hat dem Museum Huelsmann ein jüngeres Publikum erschlossen, das „sehr oft überrascht ist, wie sehr ihm auch das klassische Programm nebenan gefällt.“

Kontakt:
Museum Huelsmann Bielefeld – Kunst + Design
Dr. Hildegard Wiewelhove
Ravensberger Park 3
33607 Bielefeld
Telefon: 0521 513767
Telefax: 0521 513768
E-Mail: Externer Link info@museumhuelsmann.de
Externer Link www.museumhuelsmann.de


Die zum Bielefelder Museum Huelsmann gehörende Weiße Villa hat sich als Forum für modernes Kunsthandwerk und Design einen festen Platz in der ostwestfälischen Museumslandschaft erobert. Der elegante Bau im Stile Potsdamer Turmvillen wurde 2005 eröffnet und zieht insbesondere ein jüngeres Publikum an.

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Bild: Axel Grünewald

25 Jahre Schauplatz der Fotografie: Zum Jubiläums-Symposium der Fördergemeinschaft Fotografische Ausbildung werden im Bielefelder Neuen Rathaus wieder 80 Meter Wäscheleine gespannt. Profis und engagierte Nachwuchsfotografen nutzen diese ungewöhnliche Form der Präsentation, um ihre Werke von Jury und Publikum diskutieren zu lassen.

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Bild: FFA e.V., Bielefeld

Dr. Hildegard Wiewelhove, Direktorin Museum Huelsmann Bielefeld – Kunst + Design, und Jürgen Volkmann, 1. Vorsitzender FFA Fördergemeinschaft Fotografische Ausbildung e. V. Bielefeld, vor der Villa Huelsmann im Ravensberger Park. Gemeinsam organisieren sie in der benachbarten Weißen Villa die Sonderausstellung zur stilbildenden Fotografie. Der umfangreiche Katalog entsteht gemeinsam mit Dr. Enno Kaufhold.

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Bild: Sandra Sanchez