Das Huhn von heute lebt mobil

Ein Zimmer, Rollen, Nippeltränke: Bielefelder Ralf Müller erfindet das Hühnerhaus auf Rädern

(31.01.2008) Deutschlands Hühner blicken neidvoll auf Bielefeld. Im Südwesten der Stadt, inmitten einer ökologischen Wohnsiedlung, genießen vier gefiederte Damen ungewöhnlichen Wohnkomfort. In ihrem Gehege steht auf vier Rädern ein leuchtend rotes Hühnerhaus von raffiniertester Ausstattung. Wann immer das Gras in ihrem Gehege zur Neige geht, ziehen Huhn „Miss Marple“ und die anderen samt ihrer luxuriösen Behausung ein paar Meter weiter aufs frische Grün. Das „Hühnerhaus-mobil“ des Bielefelder Agraringenieurs Ralf Müller macht’s möglich.

Top-Bedingungen für Huhn und Halter
Die Echtholz-Konstruktion mit Spitzdach lässt sich dank ihrer Luftbereifung kinderleicht verschieben. Ungewollte Ausflüge des Federviehs verhindern wahlweise ein faltbarer Auslauf oder ein 50 Meter langer Elektrozaun. Beide werden samt Haus versetzt, bevor die Grasnarbe Schaden nimmt. „Jedes Haus entspricht den Bioland-Richtlinien und bietet Raum für bis zu fünf Hühner, die nebeneinander auf einer Sitzstange Platz nehmen können“, beschreibt Ralf Müller die Innenausstattung. Das Leben der Hühner ist höchst komfortabel: Im Sommer weht ein laues Lüftchen durch Giebel und Tür mit Maschendraht, im Winter verhindern ein gedämmter Dachgiebel und Doppelverglasung, dass das Trinkwasser gefriert. Ein Vorbau mit Hühnerleiter dient als Windfang.

„Auch für den Hühnerhalter bietet das Hühnerhaus allerlei Vorteile“, erklärt der Bielefelder stolz. „Die Eier werden in einer Schublade unter dem Legekasten aufgefangen und können bequem von außen entnommen werden. Und um die Legezeit zu verlängern, gaukelt eine Lampe mit Zeitschaltuhr den Hühnern eine längere Sonnenscheindauer vor.“ Damit die Geflügelhaltung nicht den Wochenendausflug verhindert, hat der leidenschaftliche Tüftler einen großzügigen Futterbehälter und einen Türöffner einbauen lassen. „Wenn es dunkel wird, schließt sich das Törchen automatisch“, so Ralf Müller und fügt lächelnd hinzu: „Wenn zufällig ein Huhn im Eingang sitzen sollte, verhindert eine Lichtschranke, dass es zu einem Unfall kommt.“

Votum für aktiven Artenschutz
Die Zeiten, da Kinder Regenwürmer für die hauseigenen Hühner sammelten, sind längst vorbei. „Ich gehöre der letzten Generation an, die mit Federvieh aufgewachsen ist“, sagt der 55-Jährige bekümmert. „Aber das Huhn ist eines der ältesten Haustiere des Menschen und es wäre doch unendlich schade, wenn das Wissen über diese Tiere einfach so verloren ginge.“ Mit seiner Erfindung will Ralf Müller dazu beitragen, dass sich wieder mehr Familien für das Huhn als Haustier entscheiden. „Hühner mähen den Rasen, kratzen das Moos heraus und liefern den stickstoffhaltigsten aller Tierdünger. Kindern können Hühner absolut zahme und zutrauliche Gefährten sein. Und obendrauf gibt es täglich frische Eier.“

Ralf Müller jedenfalls liebt Hühner. Das war schon als Kind so, aber auch später in seiner Eigenschaft als Entwicklungshelfer in Tansania oder als Leiter eines landwirtschaftlichen Betriebs der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel. „Auf dem Quellenhof tummelten sich 450 Hühner und Enten. Ich konnte ihnen stundenlang zuschauen. Das war besser als fernsehen.“ Als der Hof geschlossen wurde, überlegte der dreifache Familienvater, wo er sein Wissen über artgerechte Tierhaltung einbringen könnte und erfand das Hühnerhaus-mobil.

Warme Krallen dank Fußbodenheizung
Das ein Quadratmeter große Huhn-Domizil „Schwedenhaus“ ist seit April 2007 auf dem Markt. Dreieinhalb Jahre hat der Ingenieur und Tierfreund an seiner Entwicklung getüftelt, bis er selbst „vollends überzeugt“ von deren Funktionalität war. Müllers erste Skizze hatte ein Architekt in eine professionelle Bauzeichnung übertragen. Es folgten mehrere Prototypen, die wegen verschiedenster Mängel mehrfach abgeändert wurden. „Ich habe gemessen, wann das Wasser einfriert und wie schnell sich die Tür schließen darf. Auch die Eier sind anfangs noch kaputt gegangen, weil die Schublade nicht optimal abgefedert war.“

Mit Unterstützung einer Tischlerei aus dem niedersächsischen Lenne konnte das perfektionierte Hühnerhaus-mobil schließlich in Serie gehen. Auf Sonderwünsche ist Ralf Müller vorbereitet: „Der Kunde kann das Haus auch mit grünem, rotem oder schwarzem Dach haben und gegen Aufpreis mit einer anderen Außenlackierung. Wir können sogar eine Web-Cam einbauen oder einen Marmoruntergrund mit Fußbodenheizung legen. Das geht alles.“

Frauen treffen Kaufentscheidung
Ralf Müller hat die Erfahrung gemacht, dass sich besonders Frauen von Hühnerhaus-mobil angesprochen fühlen – den meisten von ihnen entführe beim Anblick prompt ein „Wie niedlich!“. Insgesamt haben in den ersten neun Monaten zehn Hühnerfreunde in Bielefeld und Dortmund, aber auch in Bremen und Kaufbeuren einen Bausatz mit je acht Teilen und Fahrgestell zusammengeschraubt. Institutionen tun sich bislang noch schwer mit einer Bestellung. Dabei hat der 55-jährige Bielefelder bei seiner Erfindung explizit auch Kindergärten und Schulen sowie Alten- und Kinderheime im Sinn gehabt. „Das Huhn lehrt Verantwortungsbewusstsein, liefert Bio-Lebensmittel frei Haus und vertreibt trübe Gedanken.“

Wenn es nach dem Bielefelder Agraringenieur geht, steht Hühnerhaus-mobil eine spannende Zukunft bevor. Seine Internetseiten, auf denen er bereits Futter aus 100 Prozent biologischem Anbau sowie diverses Zubehör vertreibt, sollen noch um „lehrreiche, aber unterhaltsame Hühner-Comics“ ergänzt werden. Und das Modell „Designerhaus“ in Taubenblau soll in Serie gehen „sobald der Dachüberstand perfektioniert ist“. „Miss Marple“ und ihre Freundinnen bringen sich selbstverständlich gerne in die Arbeit ein: Sie erproben auf ihrer Bielefelder Wiese quietschfidel die Funktionalität eines Hühnerhauses mit Sandbad. (5.678 Zeichen mit Leerzeichen)

Kontakt:
Dipl.-Ing. agr. Ralf Müller
Waldquellenweg 42
33649 Bielefeld
Telefon: 0521-9457-140
Telefax: 0521-9457-288
E-Mail: Externer Link info@huehnerhaus-mobil.de
Externer Link www.huehnerhaus-mobil.de


Der Bielefelder Ralf Müller, seine Henne „Miss Marple“ und das Hühnerhaus-mobil. Dreieinhalb Jahre hat der Ingenieur und Tierfreund an dem ein Quadratmeter großen Unterschlupf „Modell Schwedenhaus“ gearbeitet.
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Bild: Susanne Freitag

Ralf Müller aus Bielefeld vor seiner Erfindung, dem Hühnerhaus-mobil. Bevor die Grasnarbe Schaden nimmt, lässt sich die Echtholz-Konstruktion mit Spitzdach kinderleicht verschieben.
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Hühnerhaus-mobil entspricht den Bioland-Richtlinien und bietet Platz für bis zu fünf Hühner. Das Domizil mit allerhand technischen Raffinessen ist voll wintertauglich und durch Futter- und Wasserbevorratung mindestens drei Tage autonom.
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