Der Urenkel von Firmengründer Otto Boge verweist auf elf Niederlassungen im Ausland, unter anderem in China, Indien und Russland. Von 550 Beschäftigten arbeiten rund 380 in Bielefeld. Mehr als 50 sind in China für BOGE tätig, wo es neben einer Vertretung im German Center in Shanghai eine Produktionshalle in einem Vorort der Millionenstadt gibt.
Der Firmenchef ist selbst regelmäßig vor Ort, staunt immer wieder über die völlig andere Kultur, über Geschäftsgepflogenheiten, Einstellungen und Lebensart, die das Gefühl der Unterschiedlichkeit bestärken. Wolf D. Meier-Scheuven (48), der seit 1995 in der Unternehmensleitung ist, will für BOGE auch in Zukunft vorsichtig agieren. Produziert werden in China hauptsächlich Schraubenkompressoren für den chinesischen Markt, „wir haben immer schwarze Zahlen geschrieben.“
Auslandsaktivitäten werden sorgfältig geprüft
BOGE ist ein typisch mittelständisches Familienunternehmen, das von der Standortqualität Ostwestfalen-Lippes überzeugt ist und seine Erfolge mit bodenständiger Zurückhaltung kommentiert. Aktivitäten im Ausland werden gründlich vorbereitet. Gut ein bis drei Jahre dauert es, bevor eine neue Niederlassung eröffnet wird. In Dubai brauchte BOGE nahezu ein Jahr, um alle bürokratischen Hürden zu überwinden.
In Singapur und Australien sind die Druckluftspezialisten seit 2006 vor Ort, in den USA bereits seit 1999. Indien und Russland kamen 2007 hinzu. Wolf D. Meier-Scheuven: „Mit 550 hoch qualifizierten Mitarbeitern sind wir ein agiles mittelständisches Unternehmen – eine überschaubare Größe, die es uns ermöglicht, individuelle Lösungen für Kunden zu entwickeln. Unsere Philosophie ist seit Jahrzehnten dieselbe: Verlässlichkeit der technischen Lösungen, konsequente Kundenorientierung und persönliche Beziehungen zu den Kunden. Das hat uns in Deutschland zu einem der führenden Unternehmen der Branche gemacht; weltweit sind wir in mehr als 80 Ländern vertreten.“ Prospekte werden in bis zu 18 Sprachen gedruckt.
Kraftluftpumpen waren 1925 Basis des heutigen Erfolges
Firmengründer Otto Boge bewies Mut und Ehrgeiz, als es ihn 1907 zur Selbstständigkeit drängte. Er verdiente sich sein Geld zunächst mit der Montage und Wartung von Türschlössern. Die Produktion von BOGE Motorrädern zwischen 1922 und 1925 blieb ein kurzes Intermezzo. Motorradverkauf ist ein Saisongeschäft und die Zeit der Inflation war für das junge Unternehmen alles andere als rosig. Als zukunftsfähig erwiesen sich die Kraftluftpumpen, die die Bielefelder punktgenau zum Verbot der Vollgummireifen 1925 auf den Markt brachten. Autowerkstätten und Tankstellen brauchten Druckluft, um Reifen aufzupumpen und Hebebühnen zu betätigen.
1937 starb der agile Firmengründer. Sein Schwiegersohn Ernst Thomas schiffte das Unternehmen durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges und profitierte in den stürmischen Aufbaujahren von der Entwicklung und Produktion von Kolbenkompressoren, später von Schraubenkompressoren. Der Enkel des Firmengründers, Wolfgang Meier-Scheuven, wurde im Jahr 1965 Prokurist. Damals hatte BOGE bereits rund 250 Mitarbeiter, mehr als 100.000 Kompressoren waren gebaut. Ab Anfang der 80er Jahre steuerte Wolfgang Meier-Scheuven das Unternehmen in seine heutige Rolle als Anbieter komplexer Systemlösungen für Druckluftversorgung.
Ab Mitte der 90er Jahre drängten sein Sohn und der kaufmännische Geschäftsführer Rolf Struppek in den Export, der ruinöse Preiskampf auf dem deutschen Markt bot keine Perspektive mehr. Die vierte Generation feierte Erfolge auf der Hannover Messe, stieß nach Osteuropa vor, verkaufte weltweit Kolben-, Schrauben- und Turbokompressoren, investierte in innovative Produkt- und Dienstleistungslösungen. Schließlich sorgte die Geschäftsführung auch dafür, dass ein einheitliches, einprägsames Design alle BOGE Maschinen auf Anhieb von außen erkennbar macht. Wo BOGE draufsteht, ist auch BOGE Technik drin. „Exzessive Werbung haben wir nie gemacht“, erklärt Wolf D. Meier-Scheuven. „Mund-zu-Mund-Propaganda, der intensive Austausch mit den Fachhändlern und ein gezieltes One-to-one-Marketing in Richtung Endkunden sind die beste Werbung.“ Hinzu kommen ein für den mittelständischen Maschinenbau ungewöhnlich aktives Call Center sowie intensive persönliche Kontakte im Anlagenbau, ein hochspezialisiertes Geschäft.
Personalisierte Informationen, interaktive Datenbanken
Heute plant, entwickelt, produziert, vertreibt und betreut BOGE die Druckluftversorgung für Kunden aus Anlagenbau, Industrie und Handwerk. Im Internet wird der Fullservice-Gedanke perfektioniert. Der Bereich myBOGE ist Anlaufstelle für personalisierte Informationen, interaktive Datenbanken und dynamische Web-Services. Inbetriebnahmeprotokolle oder Sendungsverfolgung im Netz sind längst selbstverständlich. Interaktive Reparaturanweisungen aus Bielefeld in die große weite Welt zu schicken, ist kein Problem mehr. Und wer es ganz genau wissen will, der kann im „Kompendium“ die Geschichte der Druckluft nachlesen, Online-Berechnungen von Formeln machen oder Diskussionen mit Experten führen.
„Mein Urgroßvater, der im Servicewagen zum Kunden fuhr, würde sich sehr wundern, was aus seinem Unternehmen geworden ist“, sinniert Urenkel Meier-Scheuven. Ein Ziel ist über alle Generationen hindurch dasselbe geblieben: „Wir wollen auch in Zukunft ein unabhängiges, wirtschaftlich erfolgreiches Familienunternehmen sein.“ Nach 100 Jahren soll der Umsatz erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke überschreiten, am Stammsitz in Bielefeld ist ein Erweiterungsbau in Planung. (5.882 Zeichen mit Leerzeichen)
Kontakt:
Wolf D. Meier-Scheuven
BOGE KOMPRESSOREN
Otto Boge GmbH & Co. KG
Otto-Boge-Straße 1-7
33739 Bielefeld
Telefon: 05206-6 01-0
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Setzen auf die Unabhängigkeit eines erfolgreichen Familienunternehmens: Wolf D. Meier-Scheuven (re.) und der kaufmännische Geschäftsführer Rolf Struppek. jpg, 4407 KB 3543x2362 Pixel 300 dpi Bild: BOGE KOMPRESSOREN |
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