Stefan Genth kennt die meisten Themen, die ihn künftig in Berlin und auf EU-Ebene in Brüssel beschäftigen werden, bereits seit vielen Jahren. Elf Jahre lang stand er in den Diensten des regionalen Verbandes, der mit über 2.500 Mitgliedsbetrieben im Regierungsbezirk Detmold einer der größten Regionalverbände des HDE ist. Er war nicht nur der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbands, dem er eine ausgesprochene Dienstleistungsfunktion zuordnet. Seine Position war zusätzlich verbunden mit der Geschäftsführung der Bielefelder Kaufmannschaft GmbH, der wirtschaftlich ausgerichteten Tochtergesellschaft, die unter anderem Parkhäuser und Tiefgaragen betreibt und als Servicegesellschaft im Kongress- und Tagungsgeschäft aktiv ist.
Darüber hinaus war der quirlige Bielefelder Geschäftsführer des Verbands des Deutschen Zweiradhandels. Dieser bundesweit agierende Branchenfachverband, der in der Tradition der einstigen Fahrradstadt nach dem 2. Weltkrieg in Bielefeld wiedergegründet wurde, vertritt heute die Interessen des deutschen Zweiradhandels.
Das Thema Sport und Bewegung hat für Genth eine besondere Bedeutung. Mehr als 20 Jahre lang spielte er begeistert Eishockey, machte sogar den Trainerschein. Mit Sohn Jan (16) steht er heute noch oft auf den Schlittschuhen. Und die ganze Familie begeistert sich fürs Skifahren. Weihnachten und Ostern sind die Genths im Schnee, „nicht in mondänen Après-Ski-Orten, sondern dort, wo man richtig sportlich Ski fahren kann. Für mich der schönste Sport.“
„Ich hatte in Bielefeld eine tolle Zeit, in der wir viel bewegen konnten“
Den sportlichen Ausgleich zur Bewältigung stattlicher Aktenberge, zu Sitzungsmarathons, Stehempfängen und langen Reisewegen findet der agile Mitvierziger beim Laufen. Morgens kurz nach 6 in den Wald, 30 Minuten hohes Tempo, duschen, frühstücken – so kann der Tag beginnen. „Wenn ich dann um 8.30 Uhr putzmunter im Büro auftauche, kann das schon mal zur Belastung für mein Umfeld werden“, lacht er – nicht ohne darauf zu verweisen, dass er abends gerne noch eine weitere Runde dreht. „Bei uns zuhause geht das. Wir wohnen direkt am Wald und das Haus, das seit Generationen der Familie meiner Frau gehört, werden wir auch behalten.“
In der Hauptstadt steht seit Juni eine große Wohnung zur Verfügung. Der Sohn soll erst die Schule in Bielefeld beenden können, aber die Familie will ganz oft zusammen in Berlin sein: „Eine unendlich spannende Stadt, die wir gut kennen. 2,5 Stunden mit dem ICE, das ist ja keine Entfernung.“
Für Stefan Genth ist es tatsächlich das erste Mal, dass er außerhalb von Ostwestfalen arbeiten wird. Der Kommunal-Diplom-Verwaltungswirt ist in Bielefeld aufgewachsen, hat dort studiert. Als Projektleiter für Stadtmarketing und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt hatte er zum ersten Mal mit Fragen des Handels, mit City-Management und Stadtentwicklung zu tun. Das setzte sich fort bei der Wirtschaftsentwicklungs- und Marketinggesellschaft, schließlich beim Einzelhandelsverband. „Eine tolle Zeit, in der wir vieles bewegen konnten.“ Einzig die Tatsache, dass er jetzt viele angestoßenen Projekte nicht zu Ende führen kann, setzt in Stefan Genth verhaltene Wehmut frei. Ansonsten freut er sich auf eine tolle Herausforderung an der Seite von HDE-Präsident Josef Sanktjohanser (56), Vorstand der REWE Group, Köln.
„Wir repräsentieren einen ganz wichtigen Wirtschaftsbereich“
Wenn man Stefan Genth fragt, was er sich für die neue Aufgabe wünscht, kommt ohne Zögern: „Gelassenheit“. Die wird er brauchen können. Denn die neuen Bühnen in Berlin und Brüssel empfangen den Bielefelder mit einer Fülle an Aufgaben und Anforderungen. 40 hoch qualifizierte Spezialisten in der HDE-Geschäftsstelle warten auf ihren neuen Chef, vier weitere in der Vertretung in Brüssel hat er bereits Anfang Mai kennengelernt.
Sobald bekannt wurde, dass Genth nach Berlin geht, flatterten Einladungen aus Politik und anderen Verbänden auf den Schreibtisch. Und natürlich wollen die Mitglieder aller 14 Landesverbände den neuen Hauptgeschäftsführer so schnell wie möglich reden hören. Viele kennt er natürlich aus den letzten elf Jahren, weil er immer darauf geachtet hat, die Interessen von Ostwestfalen-Lippe auf der bundesweiten Bühne gut zu vertreten.
Apropos Interessen. Stefan Genth findet es vollkommen selbstverständlich, dass der HDE, der immerhin mehr als 100.000 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 250 Milliarden Euro Umsatz vereint, seine Interessen offensiv vertritt. „Wir repräsentieren einen ganz wichtigen Wirtschaftsbereich, mit Tausenden von Arbeitsplätzen. Ohne den Handel würde in vielen Städten das Licht ausgehen. Wir garantieren die Versorgung der Bevölkerung und sind ein ganz entscheidender Faktor für die Stadtentwicklung. Also haben wir auch das Recht auf eine schlagkräftige Interessenvertretung in Berlin und Brüssel, wo schließlich entscheidende Weichen für unsere Geschäfte gestellt werden.“ Selbst gegen den Begriff Lobbyist hat Genth nichts einzuwenden. Politischer Mandatsträger sein will er allerdings nicht. „Natürlich hat jeder Mensch eine politische Haltung, die er mit dem Amt auch nicht abgibt. Aber in unserer Funktion als Interessenvertreter müssen wir parteipolitisch neutral sein. Wir sind Gesprächspartner für alle relevanten politischen Kräfte. Deshalb käme für mich persönlich ein politisches Mandat nicht infrage.“
„Der HDE hat in Berlin und Brüssel eine hoch spezialisierte Mannschaft“
Stefan Genth spricht schnell, weil er viel zu sagen hat. Künftig vertritt er den Tante-Emma-Laden genauso wie die international agierende Handelsgruppe. Seine Kunden sind spezialisierte Fachhändler sowie die Aldis und Lidls dieses Landes. Die neue Chemikalienverordnung ist genauso wichtig wie die Verpackungsnovelle. Arbeits- und Tarifrecht stehen neben der Auseinandersetzung um das Postmonopol. City Management und die entschiedene Position zu Factory Outlets am Rande der Innenstädte sind ebenfalls brandaktuelle Themen. Von der deutschen Bauordnung und den Kosten für unendlichen Bürokratieaufwand gar nicht zu reden.
„Wir haben in Berlin und Brüssel eine hoch spezialisierte Mannschaft mit kompetenten Fachleuten“, wiegelt Genth ab, wenn man ihn fragt, wie diese Themenvielfalt zu bewältigen sein wird. „Wir haben ja noch gar nicht über Teilzeitarbeitsplätze und Familienfreundlichkeit gesprochen. Über Preisdumping und die Macht des Verbrauchers. Über innovative Konzepte, mit der wir auf die Bedürfnisse einer neuen Verbrauchergeneration reagieren müssen. Oder über die Bedeutung des Internets für den Handel.“
An Arbeit, da ist sich der Bielefelder sicher, wird es ihm und seinen neuen Kollegen in den kommenden Jahren nicht fehlen. Er setzt darauf, dass „ich genau weiß, worum es geht.“ Denn schließlich kommt er aus einer bodenständigen Region, in der man schon immer gute Geschäfte gemacht hat. Auch im Handel. (7.413 Zeichen mit Leerzeichen)
Kontakt:
Stefan Genth
Hauptgeschäftsführer
Einzelhandelsverband Ostwestfalen-Lippe e. V.
Große-Kurfürsten-Straße 75
33615 Bielefeld
Telefon: 05 21-965 10-0
Telefax: 05 21-965 10-20
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„Ohne den Handel würde in vielen Städten das Licht ausgehen!“ Der Bielefelder Stefan Genth tritt am 1. Juli 2007 das Amt des Hauptgeschäftsführers des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin an. jpg, 3085 KB 2136x3216 Pixel 300 dpi Bild: Susanne Freitag |
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Offensiver Vertreter der Interessen des Handels: der Bielefelder Stefan Genth, neuer Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin. jpg, 3188 KB 3216x2136 Pixel 300 dpi Bild: Susanne Freitag |


