Die 120 Mitwirkenden des Projekts im Alter zwischen 8 und 79 hatten bisher wenig bis überhaupt keine Erfahrung auf dem Gebiet Tanz. Fünf bis sieben Proben waren anberaumt, um ihnen die nötigen Grundlagen zu vermitteln, Inhalte zu erarbeiten und ihre Darbietung zu perfektionieren. „Jede Altersgruppe ist einer Jahreszeit zugeordnet“, erklärt Dramaturgin Christine Grunert das Konzept der Produktion. „Getanzt wird zum Stück Eight Seasons von Antonio Vivaldi und Astor Piazzola.“
Tänzer werden zu Choreographen
Der Bielefelder Chefchoreograph Gregor Zöllig ist künstlerischer Leiter des Tanzprojektes. Für „Zeitsprung“ teilte er sich seine Aufgaben mit den zehn Tänzerinnen und Tänzern seines Ensembles. „Wir sind keine Lehrer und fanden diese Rolle anfangs sehr ungewohnt“, erinnert sich Tänzerin Stéphanie Bouillaud. „Aber diese Gelegenheit zu bekommen ist toll und die Arbeit am Projekt wurde schnell ein Riesenspaß!“
Während der Kontakt zu den 24 Schulkindern (Sommer) sowie 32 Lehrern und Multiplikatoren (Herbst) über die Bielefelder Theaterpädagogin Martina Breinlinger zustande kam, fand sich die Gruppe der Senioren über einen Aufruf in den örtlichen Medien. In sechs Terminen bearbeiteten Ute Hulwa, Barbara Zemlin und 30 weitere Theaterliebhaber das Thema Frühling. Für viele von ihnen bedeutet „Zeitsprung“ die Erfüllung eines lang gehegten Traums: „Ich wollte immer schon gerne auf die Bühne“, bekennt Ute Hulwa und strahlt. „Da musste ich erst 70 werden, um das zu erleben.“
Maldoom führt Choreographien zusammen
Als „Sahnehäubchen“ bezeichnet Gregor Zöllig die Zusammenarbeit mit Royston Maldoom. Im Mai 2006 hatte der Star-Choreograph auf Einladung des Tanztheaters erstmals Bielefeld besucht. Gemeinsam entstand die Idee zu einem größeren, einzigartigen Tanzprojekt in der Spielzeit 2006/2007. „Royston Maldoom hat es verstanden, Tanztheater breitenwirksam zu machen“, stellt Zöllig bewundernd fest. „Wir freuen uns, dass er bei den Endproben dabei ist und die einzelnen Choreographien zu einem großen Ganzen zusammenführt.“
Beste Werbung für das Tanztheater
Die Verantwortlichen sehen in „Zeitsprung“ eine erstklassige Möglichkeit, die Arbeit des Tanztheaters Bielefeld nach außen zu tragen. „Wir können zeigen, wie Tanztheater wirklich ist“, sagt Gregor Zöllig. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beobachten die Arbeit des Ensembles und sammeln eigene, hautnahe Erfahrungen. Einen nachhaltigeren Zugang zu Tanz und Tanztheater kann es gar nicht geben.“ Auf den erhobenen Zeigefinger hat der 42-Jährige während der Proben gerne verzichtet: „Natürlich geht es nicht ohne Technik. Aber in erster Linie wollten wir unsere Leidenschaft für Tanz vermitteln und jedem zeigen, was Tanz so spannend macht.“
Wie lerne ich Bewegungssequenzen und wie gestalte ich sie mit? Wie hart ist das Training eines Tänzers und was passiert hinter der Bühne? Auf Fragen wie diese haben die 120 Laiendarsteller inzwischen eine recht präzise Antwort. Der abschließenden Aufführung mit Licht und Kostüm kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu. „Ein Tänzer durchlebt Phasen, die keinen Spaß machen“, weiß Herbst-Darstellerin Sigrid Zinser mittlerweile aus eigener Erfahrung. „Aber man lernt Disziplin.“
Ballett-Kinder tanzen den Winter
Kurz vor dem Zusammentreffen mit Maldoom ist die Spannung unter den Beteiligten groß. Nein, was sich die Großen ausgedacht haben, könne sie sich noch gar nicht vorstellen, sagt die achtjährige Christina skeptisch. Als Schülerin der Ballettschule des Theaters Bielefeld ist sie in Sachen Tanz zwar fast ein alter Hase – aber eben nur fast. „Die Erfahrung war uns nicht wichtig“, erklärt ihr Trainer, Tänzer Tiago Manquinho. „Im Tanztheater dürfen die Mädchen und Jungen einfach Kind sein.“ Krabbeln, Kriechen und Rennen treten im „Zeitsprung“-Projekt an die Stelle von Plié und Arabesque.
Im Bielefelder Verlag J. Kamphausen erscheint im September 2007 ein aufwändig gestaltetes Buch mit Proben- und Aufführungsfotos. Autorin Marion Meier verwendet dafür neben eigenen Aufzeichnungen auch die Notizen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer – denn wer wollte, führte ein „Zeitsprung“-Tagebuch. Seniorin Barbara Zemlin: „Tanz verbindet! In der Stadt wären wir doch alle aneinander vorbeigelaufen.“ (4.929 Zeichen mit Leerzeichen)
Kontakt:
Christine Grunert
Dramaturgin des Tanztheaters Bielefeld
Brunnenstraße 3-9
33602 Bielefeld
Telefon: 05 21-51 84 35
Telefax: 05 21-51 68 45
E-Mail:
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Generationenübergreifende Freude über ein außergewöhnliches Projekt: Der Chefchoreograph des Bielefelder Tanztheaters Gregor Zöllig (hintere Reihe, 3. v. r.) mit Mitgliedern seines Ensembles und tanzbegeisterten Laien, die gemeinsam das Stück „Zeitsprung“ aufführen. jpg, 3056 KB 2703x1833 Pixel 300 dpi Bild: Susanne Freitag |
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Royston Maldoom war Chefchoreograph des weltweit bekannt gewordenen Tanzfilms „Rhythm is it!“. In den letzten vier Proben führt der Brite die einzelnen Choreographien von „Zeitsprung“ zu einem großen Ganzen zusammen. jpg, 2602 KB 1772x2480 Pixel 300 dpi Bild: Philipp Ottendörfer |


