Die Idee für das Projekt hatte Maria Beck, Juniorchefin des Herforder Bestattungsschmuck-Unternehmens Via Decosa. „Die emotionale Trauerarbeit der Hinterbliebenen konzentriert sich mehr und mehr auf die Trauerfeier und auf die Privatsphäre – ein Wandel, der auf unsere immer mobiler und hektischer werdende Gesellschaft zurückzuführen ist“, sagt die 16-Jährige. Die Funktion der Grabstätte als Ort, der an den Verstorbenen erinnert, verliere zunehmend an Bedeutung. „Umso wichtiger ist für viele Menschen eine persönlich ausgerichtete Trauerfeier mit angemessenem Trauerschmuck, die die Individualität des Verstorbenen unterstreicht.“
Passende Atmosphäre schaffen
Um den individuellen Wünschen der Hinterbliebenen besser begegnen zu können, experimentierte die Tochter eines Bestatterehepaares mit strapazierfähigen textilen, aber verrottbaren Stoffen. „Frischblumengestecke kaschieren einen Sarg meist nur dürftig und verstärken durch ihre Vergänglichkeit die Trauer erfahrungsgemäß noch zusätzlich. Stilvolle Stoffkombinationen hingegen schaffen eine behagliche und warme Atmosphäre.“ Als der engagierten Jungunternehmerin die Ideen ausgingen, wandte sie sich an Willemina Hoenderken, Professorin für Modedesign im Fachbereich Gestaltung an der Fachhochschule Bielefeld.
„Obwohl es sich um ein schwieriges und nicht unbedingt alltägliches Thema handelt, passt das Projekt zu dem anwendungsorientierten Ansatz, den unsere Forschung und Lehre verfolgt“, erklärt Willemina Hoenderken. Zudem sei es an der Zeit, sich mit dem Tod auseinander zusetzen. „In anderen Ländern sind die Menschen viel näher an diesem Thema dran“, sagt die gebürtige Niederländerin. „Der Umgang mit dem Sterben sollte auch in Deutschland entspannter und natürlicher werden.“
Im Rahmen einer künstlerisch-gestalterischen Forschungsarbeit haben die Bielefelder Studierenden Schmuck für Särge und Urnen sowie Kerzenhalter, Kondolenzbücher, Trauerkarten und Erinnerungsstücke gefertigt. Bunte Wollbälle, ein aus Leinen gefertigter Lebensbaum oder Filzblüten – der Bestattungsschmuck ist aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt. „Die Studierenden haben sich im Vorfeld nicht nur allgemeine Gedanken über Tod, Trauer und Rituale gemacht, sondern sich auch Inspirationsquellen und Zielgruppen ausgewählt“, erklärt Willemina Hoenderken.
Der Individualität die letzte Ehre erweisen
Wie groß die Bandbreite der Arbeiten ist, zeigt sich in den Entwürfen von Rafael Erfurth. „Jede Beerdigung sollte dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen, indem sie seiner Persönlichkeit gerecht wird“, sagt der Modedesign-Student und hat deshalb sowohl Grabschmuck für den jugendlichen „Rocker“ als auch für das „unschuldige junge Mädchen“ entworfen. Dem Rocker bekundet er mit futuristisch anmutenden Ledersträngen, Nieten und Federn die letzte Ehre, dem jungen Mädchen mit weißen Stoffbahnen und einem aus Draht geformten Engel.
Maria Beck von Via Decosa möchte nicht ausschließen, dass die handgefertigten Unikate eventuell in Serienproduktion gehen: „Zuvor müssen wir allerdings noch genau prüfen, ob der Schmuck auch den Ansprüchen der Bestatter gerecht wird. Beispielsweise müssen die Materialien schnell zu verarbeiten und bis zu 30 Prozent biologisch abbaubar sein.“
Kontakt:
Professorin Willemina Hoenderken
Fachhochschule Bielefeld
Fachbereich Gestaltung
Lampingstraße 3
33615 Bielefeld
Telefon: 05 21-106 76 30
Telefax: 05 21-106 76 90
E-Mail:
Maria Beck
Via Decosa – Trauerdekorationen mit Stil
Amselstraße 45b
32049 Herford
Telefon: 052 21-346 98 40
Telefax: 052 21-346 98 41
E-Mail:
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Befürworterinnen modernen Grabschmucks (v. l.): Die Studierenden Nicole Beholz und Melanie Springer mit Professorin Willemina Hoenderken und Maria Beck von Via Decosa. jpg, 3012 KB 2913x2034 Pixel 300 dpi Bild: Susanne Freitag |
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Lederstränge, Nieten und Federn für den „Rocker“, weiße Stoffbahnen und ein aus Draht geformter Engel für das „unschuldige junge Mädchen“: Die Arbeiten des Bielefelder Modedesign-Studenten Rafael Erfurth sollen die Persönlichkeit des Verstorbenen unterstreichen. jpg, 4340 KB 3216x2136 Pixel 300 dpi Bild: Susanne Freitag |
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Maria Beck, Juniorchefin des Herforder Bestattungsschmuck Unternehmens Via Decosa, verleiht Trauerfeiern durch stilvolle Stoffkombinationen eine angemessene Atmosphäre. jpg, 3951 KB 2136x3216 Pixel 300 dpi Bild: Susanne Freitag |



